Seit 20 Jahren Urlaub auf Gran Canaria – Vertrautheit ist kein Makel, sondern Luxus
- Jürgen Baumelt

- 7. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Vorwort
Es gibt Dinge im Leben, die muss man nicht jedes Jahr neu erklären – und dann gibt es Gewohnheiten, die bei anderen immer wieder Fragen aufwerfen. Mein jährlicher Urlaub auf Gran Canaria gehört ganz offensichtlich zur zweiten Kategorie. Ob im Freundeskreis, in der Familie oder im Bekanntenkreis: Immer wieder höre ich dieselbe Frage, oft mit einem leicht ungläubigen Unterton – warum ausgerechnet immer wieder derselbe Ort?
Genau aus diesem Grund ist dieser Beitrag entstanden. Nicht, um jemanden zu überzeugen oder zu rechtfertigen, sondern um meine ganz persönliche Sicht darauf zu teilen. Denn was von außen vielleicht nach Routine aussieht, hat für mich eine ganz eigene Bedeutung, die sich nicht in einem kurzen Gespräch zwischen Tür und Angel erklären lässt.
In den folgenden Abschnitten möchte ich deshalb noch einmal in Ruhe darlegen, was mich Jahr für Jahr dorthin zieht, was diesen Ort für mich besonders macht und warum es eben nicht „immer das Gleiche“ ist – sondern jedes Mal genau das, was ich brauche.
Bequemlichkeit, Vertrautheit oder einfach pures Glück? Weshalb ich nichts vermisse – und genau das liebe
Es beginnt oft ganz harmlos. Ein Urlaub, der besonders schön war. Einer, bei dem einfach alles gepasst hat: das Wetter, das Essen, die Stimmung, die Menschen. Und ehe ich mich versehe, wird aus diesem einen Urlaub eine Tradition. Zwei Jahre, fünf Jahre, zehn Jahre. Und irgendwann sitze ich da, schaue auf über 20 Jahre Gran Canaria zurück und denke mir: „Moment mal… warum eigentlich immer hier?“
Die einfache Antwort wäre: weil es schön ist. Aber so einfach ist es natürlich nicht. Oder vielleicht doch?

Die große Illusion vom „Abenteuerurlaub“
Es gibt diese Vorstellung, dass ein „richtiger“ Urlaub immer etwas Neues sein muss. Neue Länder, neue Kulturen, neue Herausforderungen. Möglichst exotisch, möglichst weit weg, möglichst viel zu erzählen danach. Und ja, das hat seinen Reiz. Aber Hand aufs Herz: Wie oft war genau so ein Urlaub am Ende auch einfach nur anstrengend?
Ich habe früher auch gesucht, ausprobiert, geplant. Gute Restaurants finden, mich im öffentlichen Verkehr zurechtfinden, mit Sprachbarrieren kämpfen oder hoffen, dass das Hotel auch wirklich so aussieht wie auf den Fotos. Abenteuer, ja. Entspannung? Eher so mittel.
Und dann gibt es da diesen einen Ort: Gran Canaria. Ich steige aus dem Flieger und muss nicht überlegen. Ich weiß, wo ich hinmuss. Ich kenne die Wege, die Ecken, die kleinen Geheimtipps. Kein Stress, kein Rätselraten – einfach ankommen.
Vertrautheit ist kein Makel, sondern Luxus
Viele würden sagen: „Das ist doch Bequemlichkeit.“ Und ich sage: Ja. Und das ist nichts Schlechtes.
Bequemlichkeit hat einen schlechten Ruf, dabei ist sie im Urlaub eigentlich das höchste Gut. Ich habe mir mein persönliches Paradies über Jahre aufgebaut. Ich weiß, welches Restaurant mich glücklich macht, wo ich den besten Kaffee bekomme, welcher Strandabschnitt genau der richtige für mich ist.
Andere suchen noch – ich habe schon gefunden.
Und das ist kein Stillstand. Das ist eine bewusste Entscheidung.

Mein zweites Zuhause
Nach über 20 Jahren ist Gran Canaria für mich nicht mehr einfach nur ein Urlaubsziel. Es ist ein Gefühl. Ein Rhythmus. Fast schon ein zweites Zuhause.
Ich kenne die Buslinien besser als so mancher Einheimischer, weiß, wann es wo am schönsten ist, und bewege mich dort mit einer Selbstverständlichkeit, die viele Touristen nie erreichen. Während andere noch Google Maps checken, gehe ich einfach los.
Dieses Gefühl von „Ich gehöre hier ein bisschen dazu“ – das kann mir kein einmaliger Abenteuertrip geben.
Sicherheit statt Enttäuschung
Ein nicht zu unterschätzender Punkt: Enttäuschungen werden minimiert. Ich weiß, was mich erwartet – und zwar im besten Sinne.
Das Wetter? Passt immer.
Die Atmosphäre? Kenne ich und liebe ich.
Die Menschen? Offen, entspannt, oft deutschsprachig.
Die Szene? Gayfriendly, lebendig, abwechslungsreich.
Warum also ein Risiko eingehen, wenn ich genau weiß, dass es dort für mich funktioniert?
Das hat nichts mit Angst vor Neuem zu tun. Es hat eher etwas mit ehrlicher Selbstkenntnis zu tun.
Die Freiheit, nichts beweisen zu müssen
Vielleicht ist das der wichtigste Punkt: Ich muss im Urlaub nichts mehr „leisten“.
Keine Sehenswürdigkeiten abhaken, keine To-do-Listen erfüllen, keine Erwartungen erfüllen – weder meine eigenen noch die von anderen. Ich muss niemandem beweisen, wie abenteuerlustig oder weltoffen ich bin.
Ich darf einfach nur genießen.
Und genau darin liegt die eigentliche Freiheit.

Ein bisschen Humor muss sein
Natürlich kann ich mich selbst auch ein bisschen aufziehen. 20 Jahre derselbe Urlaubsort? Andere sammeln Länder – ich sammle Stammplätze.
Andere sagen: „Dieses Jahr geht’s nach Bali!
“Ich sage: „Dieses Jahr… Überraschung… wieder Gran Canaria.“
Aber ganz ehrlich: Während andere noch diskutieren, ob ihr Hotel okay ist, sitze ich wahrscheinlich schon mit einem Drink in der Hand an meinem Lieblingsplatz und denke mir: „Alles richtig gemacht.“
Wiederholung ist nicht langweilig – sie ist bewusst gewählt
Immer wieder an denselben Ort zu reisen ist kein Zeichen von Einfallslosigkeit. Es ist ein Zeichen dafür, dass ich weiß, was mir guttut.
Ich habe meinen Ort gefunden. Meinen Rhythmus. Meine Version von Urlaub.
Und wenn ich ehrlich bin: Genau darum geht es doch.
Und dass ich schon bald wieder auf der Insel bin?
Na ja… manche Dinge ändern sich eben nie.
Zum Glück.


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